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Oberleitungsbau

Grundlegendes

Obwohl ich seit der Anlage 4 mit der Oberleitung der Fa. Sommerfeldt gute Erfahrungen gemacht hatte, wollte ich dieses Mal neue Wege gehen und habe mich dazu entschieden, die seit dem Bau der Anlage 6 neu auf den Markt gekommene Fahrleitung der Fa. Viessmann zu verwenden.

Ein Hauptgrund für diese Entscheidung ist die einfachere Befestigungsmöglichkeit der Masten mit dem separaten Fuß. Die Grundplatte muss nicht durchbohrt werden, um den Mast von unten festzuschrauben. Da auf der Ebene 2a meiner Anlage 7 die Metallrahmenprofile teilweise direkt unter dem Trassenbrett verlaufen, ist dies auch gar nicht überall möglich.

Die Befestigung mit dem Schwalbenschwanz-Fuß erleichtert auch den Aufbau in der Hinsicht, dass die Oberleitungsmasten beim Landschaftsbau nicht stören. Nachdem die Maststandpunkte nach der Gleisverlegung festgelegt, alle Sockel angeschraubt und die Fahrdrahtstücke probeweise eingehängt worden sind, kann der ganze Aufbau nach einer Probefahrt erst einmal wieder entfernt werden.

Letztendlich kann dann die Landschaft fertiggestellt werden, um dann die Oberleitung ganz zum Schluss wieder endgültig aufzubauen.

Allerdings muss man hierbei auch aufpassen, dass man genug Platz zum Aufschieben des Mastes auf den Sockel lässt. Sollte direkt hinter dem Mast eine Böschung beginnen, muss entweder der Mast vor dem Bau der Böschung aufgeschoben werden, oder in der Böschung eine provisorische Aussparung gelassen werden. Die erste Lösung ist nicht zu empfehlen, da der Mast dann beim Landschaftsrohbau ziemlich im Weg sein kann. Daher ist es zu empfehlen, eine Aussparung zu lassen. Vor dem Begrünen wird der Mast aufgeschoben, die Aussparung aufgefüllt und an die übrige Landschaftsform angepasst.

Aufbau

Für den Aufbau empfehle ich den Kauf der Oberleitungs-Sammelmappe von Viessmann (4190 bzw. 41901). Weiterhin ist die Anschaffung der Ösenbiegezange (4198) unerlässlich, da man ausschließlich mit den Standardfahrdrahtlängen selten auskommt. Beide (einmaligen) Anschaffungen sind zwar nicht sonderlich billig, aber für einen zügigen und sauberen Aufbau dringend zu empfehlen. Außerdem sollten Fahrdraht-Montagelehre (4196) und Mastpositionslehre (4197) nicht fehlen.

Die Oberleitung von Viessmann lässt sich in zwei Varianten aufbauen:

  • Vereinfachte Version ohne Spannwerke
    Hierbei wird über einer Weiche der Fahrdraht des abzweigenden Gleises am selben Ausleger wie der des Stammgleises eingehängt. Dies ist nicht vorbildgetreu und erlaubt auch kein Nachspannen des Fahrdrahtes. Es ist übrigens auch die Variante, die bei der nahezu baugleichen “neuen” Märklin-Oberleitung verwendet wird.
  • Experten-Version mit Spannwerken
    Hierbei wird vorbildgetreu jeder Fahrdraht einzeln geführt und bei Weiche über einen Doppelausleger zum Spannwerk geführt. Diese Variante erlaubt auch ein Nachspannen des Fahrdrahtes und kommt in ihrem Aufbau der Standard-Oberleitung von Sommerfeldt schon recht nahe (Die Profifahrleitung von Sommerfeldt spielt in einer anderen Liga und  Viessmann hat leider auf die Markteinführung seiner Profiversion verzichtet, welche schon als Serienmuster existierte).

Ich empfehle den vorbildgerechten Experten-Aufbau. Er ist zwar etwas aufwendiger, aber sieht hinterher auch besser aus. Für den einfachen Aufbau sollte man eher auf Märklin zurückgreifen.

Zunächst werden die Maststandorte festgelegt. Die Vorgehensweise ist übrigens nicht herstellerspezifisch. In der oben genannten Sammelmappe ist es gut beschrieben. Sinngemäß steht bei Sommerfeldt an sich das Gleiche drin.

Fixpunkte sind Weichen, von denen aus die Standorte der weiteren Masten anhand der verfügbaren Fahrdrähte und der Restriktionen hinsichtlich der maximalen Fahrdrahtlänge in Gleisbögen festgelegt werden. Hierbei hilft die Mastpostionslehre. Allerdings ist auch zu beachten, dass bei zweigleisigen Strecken die Masten sich in der Regel gegenüber stehen und bei eingleisigen Strecken zum aufsteigenden Hang hin, also “bergseitig” positioniert werden (sofern vorhanden).

Hinzu kommt, dass die Verlegung des Fahrdrahtes im Zickzack anzustreben ist und im Gleisbogen die Aufhängepunkte nach zur Bogenaußenseite gezogen werden.

Aus diesen Randbedingungen ergibt sich fast zwangsläufig, dass man mit den Standard-Fahrdrahtlängen allein nicht auskommt. Daher muss man dann die Universalfahrdrähte verwenden. Hierzu wird die Fahrdrahtlänge ausgewählt, in deren Bereich die benötigte Länge liegt. Gekürzt wird immer auf beiden Seiten, so dass der Fahrdraht hinterher möglichst symmetrisch bleibt, um das harmonische Bild nicht zu stören. Mit der Ösenbiegezange geht dies recht fix. Allerdings habe ich den Eindruck, dass diese Zange für Linkshänder konstruiert wurde, denn die Öse mit Hinterschnitt biegt sich für einen Rechtshänder recht schwierig.

Beim Anschrauben der Mastsockel habe ich festgestellt, dass die beiliegenden Schrauben für ein Trassenbrett von 10 mm Stärke zu lang sind. Ich habe daher SPAX-Schrauben der Dimension 2,5 x 12 verwendet. Die Festigkeit in Sperrholz ist dabei auch ausreichend.

Außerdem habe ich bemerkt, dass durch die Polygonführung im Bogen (Zug des Fahrdrahtes nach außen, s. o.) und teilweise auch durch den Zickzack die Öse des Tragseiles etwas zu lang ist. Dies führt zu Instabilitäten im gesamten Aufbau der Oberleitung. Abhilfe schafft hier, die Ösen beim endgültigen Einhängen der Fahrdrahtstücke zuzubiegen und die Aufhängepunkte mit einem Tropfen Sekundenkleber zu fixieren. Dies wird zwar eine notwendige Demontage erschweren, erhöht aber die Betriebssicherheit, wenn man, wie es sein soll, mit angelegten Stromabnehmern fahren will.

Obwohl nicht explizit vorgesehen, sollte man auch bei der Viessmann-Oberleitung ein Spannen des Fahrdrahtes vorsehen. Der gegenüber der Standard-Oberleitung von Sommerfeldt dünnere Fahrdraht (0,6 mm zu 0,7 mm) ist sonst mitunter zu wackelig und könnte zu Stromabnehmer-”Entgleisungen” führen, weil der Draht u. U. zur Seite gedrückt wird.

Fazit:

Dies sind meine bisherigen Erfahrungen mit der Viessmann-Oberleitung. Der Aufbau geht einfach und schnell. Die Mastmontage von oben ist deutlich einfacher als das Durchbohren der Trasse mit notwendigem Anschrauben von unten, da man beim Setzen der Masten auch nicht auf möglicherweise störende Geländespanten unterhalb der Trassen achtgeben muss. Die Oberleitung ist robust, aber dennoch ausreichend filigran. Ein Fixieren der Fahrleitungsösen an den Auslegern und das Spannen der Fahrleitung sind aber dringend zu empfehlen.