Pickelfahrer

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Anlage 3

Die Anlage 2 war gerade von der Gleisverlegung und den elektrischen Anschlüssen her fertig, da ergab sich die Möglichkeit eines Umzuges der Modelleisenbahn in einen größeren Kellerraum.

Bei dem Neubau der Wohnanlage waren etliche Wirtschaftsräume (Hauswartkeller, Handwerkerkeller usw.) vorgesehen worden, an denen die Wohnungsgenossenschaft schon nach einigen Jahren keinen Bedarf mehr hatte. Diese wurden dann den Mietern zur Nutzung gegen Entgelt angeboten. Da einer der Räume direkt neben unserem Keller lag und die Größe dem unseres Wohnzimmers entsprach (rund 6,00 m x 3,75 m), hatte mein Vater nicht lange gezögert und diesen Raum angemietet.

Nachdem dann auch ein Stromanschluss mit separatem Zähler gelegt worden war, stand dem Neuaufbau nichts mehr im Wege.

Da die vorhandenen Platten und der Bockrahmen weiterverwendet werden sollten, war die Anlagengröße mit 2,50 m x 1,50 m schon vorgegeben.

Es fehlte daher nur noch der Gleisplan. Aber auch da wurde ich recht schnell fündig, die Anlage 17 im Märklin-Gleisanlagenbuch 0350 (Ausgabe 1968) sollte es sein.

 

Durch diese Wahl kamen wir allerdings nicht mehr darum herum, auch Gleise und Weichen des Parallelkreises 52xx zu verwenden. Neukauf kam aus Kostengründen nicht in Frage, aber wir hatten Glück, dass ein Arbeitskollege meines Vaters gerade sein Märklin-Material loswerden wollte, wo auch zwei (zusätzliche) Trafos dabei waren, die für die Anlage laut Gleisanlagenbuch benötigt wurden. Für die restlichen Gleise und Weichen haben wir dann Gebrauchtwarenhändler abgeklappert. 

Nachdem dann alles zusammengesammelt war, konnte der Bau beginnen. Alle erhöhten Gleistrassen waren aus Styroporplatten aufgebaut, die mein Vater kostenlos organisieren konnte. In ihrem ersten “Leben” dienten diese als Verpackungsmaterial für Heizsteine von Nachtstromspeicherheizkörpern, wie sie in unserer Wohnsiedlung verwendet wurden und sich als zu schwach erwiesen und daher gegen stärkere gewechselt werden mussten. Dabei fielen soviele von diesen Styroporplatten an, dass davon zwei Anlagen gebaut werden konnten. Ich glaube, mein Vater hat noch heute welche davon…

Aber zurück zur Anlage 3. Sie stand zentral im Raum und musste nach dem fertigen Rohbau inklusive Elektrik schon den ersten Umbau erleiden, denn der gleiche Arbeitskollege hatte auch noch Lokomotiven abzugeben, darunter auch eine E03, für mich damals die faszinierendste Lokomotive…

Da kam schnell der “Will-Haben-Effekt” auf und schon nahm das Elend seinen Lauf. Eine E-Lok ohne Oberleitung kam für mich schon damals nicht in Frage, also musste die Anlage elektrifiziert werden. Auch hier war der Kollege die erste Quelle für Masten und Fahrdrähte – was er alles so hatte! Den Rest haben wir teilweise gebraucht erworben und teilweise auch neu kaufen müssen.

Es war aber nicht so einfach, die Masten unter die bereits verlegten oberen Trassenplatten zu bringen, da durch die Stärke der Styroporplatten die lichte Höhe darunter zu gering war. Also musste das Ganze rund einen Zentimeter erhöht werden.

Nachdem das alles fertig war und die Oberleitung auch richtig funktionierte, kam später auch noch eine E40 hinzu – wieder von dem Kollegen meines Vaters. Das war aber in der Hinsicht der letzte Erwerb, die Quelle war wohl versiegt.

Nun kam der Landschaftsbau an die Reihe. Jede Menge Brawa-Grasmatten wurden zurechtgeschnitten und verlegt, Mauern auf Faller-Prägeplatten geschnitten, geklebt, Tunnelportale eingebaut und und und…

Mit dem Endergebnis war ich damals recht zufrieden, obwohl es noch immer eine Spielanlage war.

Nun kamen aber mit der Zeit immer mehr Triebfahrzeuge und Wagen hinzu, so dass ich mit dem Betrieb von maximal drei Zügen nicht mehr zufrieden war. Ein Zug konnte unten seine Kreise ziehen, einer oben und einer war der Wanderer zwischen Unter- und Oberwelt – das war es aber auch schon.

Da hatte ich eine Idee: Könnte ich an das  Gleis, welches die Verbindungsrampe zwischen Ober- und Unterdeck darstellte,  nicht ein weiteres Gleis zum Ausweichen zweier Züge anbringen?

Das “Projekt Ausweichgleis” nahm seinen Lauf. Die benötigten Materialen - zwei Weichen, einige Gleise, ein Signal, Oberleitungsmasten usw. – habe ich minutiös bis zum letzten Stecker aufgelistet, vom Taschengeld soweit eingekauft, bis das Budget aufgebraucht war. Das bedeutete Baustopp bis zum nächsten nicht mehr ganz fernen Weihnachstfest, wo dann die restlichen Teile ganz oben auf der Wunschliste standen und auch geliefert wurden. 

Nach dem Einbau des Ausweichgleises konnten nun zwei Züge zwischen Ober- und Unterdeck pendeln, so dass nun insgesamt vier Züge fahren konnten. Mehr war auch mit der Handsteuerung (Trafos und Stellpulte) nicht zu bewältigen.

Dennoch waren die Tage dieser Anlage gezählt, denn der Fahrzeugpark wuchs durch Taschengeldumsätze, Geburtstage und Weihnachtsfeste weiter an. Außerdem wollte ich keine Spielanlage mehr, sondern eine etwas vorbildgetreuere “richtige” Modellbahnanlage.

Irgendwann so nach vier Jahren habe ich meinen Vater dann gefragt, weshalb wir denn den Raum nicht viel besser nutzen. Das muss so ca. 1976 gewesen sein.