Anlage 4
Nachdem mit dem Abriss der Anlage 3 die letzte Spielanlage Geschichte war, wollte ich eine “richtige” Modellbahnanlage bauen. Sie sollte den Raum besser ausnutzen und außerdem war ich erpicht darauf, einige Neuerungen auszuprobieren, aber dazu später mehr.
Das Thema war schnell gefunden, die “klassische” zweigleisige, elektrifizierte Hauptbahn mit Durchgangsbahnhof und abzweigender Nebenbahn. Den Gleisplan hierfür hatte ich selbst mit der Gleisplanschablone, Papier und Bleistift entworfen.
Die zweigleisige Hauptbahn verlief in Form einer doppelten Schleife und wurde im Blockbetrieb befahren. Später habe ich noch einen Schattenbahnhof hinzugefügt, um die Betriebsmöglichkeiten zu erweitern.
Die eingleisige Nebenbahn war zunächst als ein Rundkurs in einer Art Doppelacht angelegt und wurde nur in einer Richtung befahren, da dies wegen der mit Zugbeeinflussung ausgestatteten Signale schaltungstechnisch einfacher zu handhaben war. Später habe ich dann – auch um Platz für die Stadt zu gewinnen – den Gleisplan auf zwei Kehrschleifen umgebaut, in der jeweils das Gleis im Hauptbahnhof und der Nebenbahnhof gelegen war.
Die Anlage hatte eine L-Form mit 3,75 m Länge und ca. 2,00 m Breite am breiteren Schenkel. Hiervon ging an der linken Seite ein Stück ab mit ca. 1,20 m Länge und ca. ebensolcher Breite. So genau kenne ich die Abmessungen nicht mehr, da das Original des Gleisplans nach drei Umzügen verlorengegangen ist.
Als Gleismaterial kam weiterhin das M-Gleis zum Einsatz. Da für den Plan bei weitem nicht genug Gleisstücke, Weichen und Signale vorhanden waren, haben mein Vater und ich diverse Börsen und Gebrauchtwarenhändler abgeklappert, um dem Bedarf gerecht zu werden. Dies klappte an sich recht gut.
Am meisten Probleme machte dagegen die Beschaffung der für das Dampflok-Betriebswerk benötigten Drehscheibe. Entweder waren die auf den Börsen sowieso selten angebotenen Exemplare “Schrott” oder zu teuer – in der Regel weit mehr als 100 DM – für das Budget eines Gymnasiasten. Bei einem Händler am langen Ende der Sonnenallee wurden wir dann jedoch fündig. 90 DM sollte das Ding kosten. Es war aber völlig eingestaubt, so dass wir auf einer Vorführung bestanden. Eher widerwillig ließ sich der Händler darauf ein und er wurde sichtlich nervöser, als zunächst gar nichts ging und auch nach förmlicher Überschwemmung der Drehscheibe mit Kontaktspray noch immer gelegentliche Aussetzer im Betrieb auftraten. Mein Vater hat den Preis dann auf 75 DM heruntergehandelt – wahrscheinlich war der Händler froh, diese beiden penetranten Kunden und die Drehscheibe endlich losgeworden zu sein.
Zu Hause haben wir die Drehscheibe erst einmal zerlegt und gründlich gereinigt. Auch der Motor wurde einer Generalüberholung unterzogen. Die Mechanik des Entriegelungsmagneten habe ich dann beim Zusammenbau auch neu eingestellt. Nach dieser ganzen Prozedur lief die Drehscheibe einwandfrei und wir freuten uns über unser gemachtes Schnäppchen!
Da die Oberleitung der Fa. Märklin nicht mehr meinen Ansprüchen genügte – gebogene Fahrdrähte, igitt! -, sollte diese nur noch im Verborgenen bleiben. Für die freien Strecken stellte ich mir die vorbildgerechtere Oberleitung der Fa. Sommerfeldt vor – dies als eine der anfangs erwähnten Neuerungen.
Aufgrund der Größe der Anlage kam eine durchgehende Plattenbauweise nicht mehr in Frage. Die Anlage bekam daher zwei Durchstiegsöffnungen, die später mit zwei herausnehmbaren Abdeckplatten versehen wurden.
Das Grundgerüst blieb das vorhandene Bockgestell, was auf allen Seiten verlängert und verbreitert wurde. Hierfür haben wir alles mögliche an vorhandenen Leisten, Platten usw. verwendet. Dies war ein Fehler, da keine ebene Grundfläche herauskam, was sich später im Betrieb an manchen Stellen durch ungewollte Entkuppelvorgänge rächen sollte.
Alle Gleistrassen lagen auf den schon bei Anlage 3 verwendeten Styroporplatten. Auch dies war keine gute Entscheidung. Trotz der an sich guten Geräuschdämmung hatten wir später arge Probleme, die Oberleitungsmasten der Fa. Sommerfeldt zu befestigen, da diese an sich mit dem Trassenbrett verschraubt werden müssen. Wir haben dann jeden Mast mit einer Pappbasis von ca. 8 cm x 4 cm verschraubt und diese mit der Styroportrasse verklebt. Ein im Syropor vorgestochenes Loch nahm die Gewindestange des Mastes auf. Bei den Gittermasten und den Turmmasten hielt dies gut, aber die Betonmasten machten mehr Probleme – insbesondere in den Gleisbögen. An ein richtiges Spannen der Fahrdrähte war daher nicht zu denken.
Steuerungstechnisch habe ich auch einige Neuerungen eingeführt. Die Hauptstrecke bekam im Bahnhofsbereich Lichtsignale der Fa. Brawa mit Stecksockel. Weiterhin habe ich auch ein Mosaik-Gleisbildstellwerk der gleichen Fa. verwendet. Alle Weichen wurden dafür mit zusätzlichen Rückmeldekontakten ausgestattet, um die Weichenstellung zu signalisieren.
Der später unter den Hauptbahnhof hineingebaute Schattenbahnhof bekam erstmalig Tunneloberleitung aus auseinandergeschnittenen Flexgleisen aus dem Zweischienen-Zweileiterbereich – eine Technik, die ich heute noch verwende. Außerdem konnte ich diesen über ein Steckbrett “programmieren”, so dass ein oder mehrere Gleise aus der Abfahrautomatik ausgeschlossen werden konnten.
Die Anlage war noch gar nicht richtig fertig – nur ein Teil der Landschaft war vollendet -, da machte ich schon Pläne für eine Erweiterung, die fast den gesamten restlichen Raum auch noch eingenommen hätte. Den Anfang hatte ich in Form einer die eine Bahnhofseinfahrt überspannenden Brückenkonstruktion schon gemacht.
Vorbildgerecht musste auf diesen Stahlgitterbrücken Gleis ohne Bettung liegen. Dies war dann meine erste Berührung mit dem Kunststoffgleis (K-Gleis). Zwei Gleisstücke davon waren noch mit Hohlprofil (21xx), darunter auch das Übergangsgleis von Metall- auf Kunststoffgleis, aber auf der recht langen Brücke lag dann ein Flexgleis mit Vollprofilschienen.
Das K-Gleis sah gegenüber dem M-Gleis in meinen Augen natürlich viel besser aus und Märklin hatte nach dem Erscheinen des Flexgleises auch das übrige Sortiment der K-Gleise auf Vollprofilschienen umgestellt. Außerdem gab es dann als Neuheit auch noch die schlanken Weichen 2271. Da gefiel mir meine Anlage auf einmal gar nicht mehr, zumal auch der holprige Unterbau und die unprofessionelle Kreuz- und Querverkabelung oftmals ziemliche Probleme machten. Statt eines Umbaus sollte es dann doch ein Neubau werden – der Plan für Anlage 5 war geboren!