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Gesuperter „Kabinenroller“

Umbau der BR 50 Kab von Märklin (#3084 / #3684)

Bild 1: Die fertige Lok (noch mit den ursprünglichen Drehgestellblenden)

Im Jahr 1974 erschien bei Märklin unter der Katalognummer #3084 die Güterzugdampflokomotive mit Schlepptender der Baureihe 50 in der Version mit Zugführerkabine. Später gab es dann auch noch die digitale Variante unter der Katalognummer #3684. Obwohl die BR 50 von vornherein – als zweite Neuentwicklung überhaupt nach der BR 03 (#3085) – einen DCM (Trommelkollektormotor) erhalten hat, gab es bis zum Erscheinen des in vielen Teilen überarbeiteten Modells (#33840 in Delta-Version, #37840 in Digital-Version) im Jahr 2000 nie eine Variante mit Digital-Hochleistungsantrieb (c90).

Im folgenden wird der Umbau mit dem Digital-Hochleistungsantrieb #60901beschrieben. Welches Basismodell dabei verwendet wird, ist unerheblich. Im Zuge dieses Umbaus werden einige nicht mehr zeitgemäße Nachteile des Modells beseitigt bzw. verbessert. Der Tender wird mit einem Dreilichtspitzsignal versehen (Lichtwechsel digital schaltbar) und der Rauchsatz (#7226) ist ebenfalls digital schaltbar. Als besonderer Clou erhält die Zugführerkabine eine digital schaltbare Innenbeleuchtung. Weiterhin wird sowohl die Lok als auch der Tender mit einer Kupplungsaufnahme nach NEM 362 ausgestattet. Außerdem können noch die korrekten Drehgestellblenden von dem oben genannten überarbeiteten Modell montiert werden.

Benötigte Ersatzteile

Die folgenden Ersatzteile sind zu beschaffen:

Pos.
Bestellnr.
Bezeichnung
Anzahl

1

345760

Kupplungsschacht

2

2

701630

Kurzkupplungskopf

2

3

786800

Plastiteschraube

1

4

395400

Tenderboden

1

5

761710

Puffer

2

6

280180

Federplatte

1

7

259920

Lampensockel

2

8

610080

Glühlampe

2

9

600080

Glühlampe

1

10

389970

Lichtkörper

1

11

60901

Digital-Hochleistungsantrieb

1

12

7226

Rauchsatz

1

13

210127

Drehgestellblende (mit Kontaktplatte)

1

14

206801

Drehgestellblende

1

15

206370

Schleifer

1

Hinweis: Irrtümer bei den Ersatzteilnummern vorbehalten!

Umbau der Lok

In der Lok selbst sind nach Abnahme des Gehäuses der komplette Motor (Feldmagnet, Motorschild und Anker), die komplette Verdrahtung sowie die Federplatte für die Beleuchtung und Rauchsatz zu entfernen. Es empfiehlt sich, danach die Lok gründlich zu reinigen, da im Laufe der Betriebsjahre sich einiges an Schmutz ansammelt, der danach den digitalen (Hochleistungs-) Fahrspaß trüben könnte. Insbesondere gilt dies natürlich für die „betagteren“ Modelle (wie meines) aus dem Erscheinungsjahr 1974 der Lok.

Weiterhin ist an der vorderen Kupplungsdeichsel der Kupplungshaken abzuschrauben. Die Schraube bitte aufheben, sie wird später wieder gebraucht.

Danach wird der Hochleistungmotor (aus Pos.11), bestehend aus Stator (Polbügel), 5-pol. Rotor und Motorschild, installiert. Die Drosseln können wegen des Knickfahrwerks der BR 50 Kab nicht am Motorschild angelötet werden. Sie müssen im Tender untergebracht werden. Die neue Federplatte (Pos. 6) für die Beleuchtung und Rauchsatz ist einzusetzen. Vorher sind an die Anschlüsse für die Glühlampe ein graues und ein orangenes Kabel anzulöten, die ausreichend lang sein sollen, daß sie bis in den Tender reichen. In den Lampensockel wird die Glühlampe (Pos. 9) eingesetzt. An die Kontaktfeder für den Rauchsatz ist ein braun-rotes Kabel anzulöten, das ebenfalls bis in den Tender reicht. Die drei Kabel sind dann wieder in die dafür vorgesehene Vertiefung einzulegen und am Motor vorbei nach hinten zu führen. An der Kupplungsdeichsel wird der Kupplungsschacht (Pos. 1) mit der vorher beiseite gelegten Schraube angeschraubt. Zum Schluß wird noch – sofern nicht bereits vorhanden – der Rauchsatz (Pos. 12) eingesetzt.

Bild 2: Innenansicht der fertigen Lok

Umbau des Tenders

Dieser Teil des Umbaus ist deutlich aufwendiger. Weil der Kupplungsschacht (Pos. 1) mit der NEM-Kupplungsaufnahme nicht an den Original-Tenderboden paßt, muß dieser gegen die Pos. 4 getauscht werden. Dieser weist außerdem – ein angenehmer Nebeneffekt – bereits eine Aufnahme für den Sockel der vorgesehenen tenderseitigen Beleuchtung auf. Die Zapfen im vorderen Teil des neuen Tenderbodens müssen mit einem scharfen Messer abgeschnitten werden, da sich das Gehäuse sonst nicht richtig aufsetzen läßt. Die Puffer (Pos. 5) werden in die entsprechenden Aufnahmen gepreßt. Der Kupplungsschacht (Pos. 1) wird mit der Plastite-Schraube (Pos. 3) am Tenderboden angeschraubt.

Der Tender ist nun komplett zu zerlegen. Alle elektrischen Verbindungen sind abzulöten, die Drehgestelle abzuschrauben und die Metallplatte ist vom Original-Tenderboden zu lösen.
Dann wird die Metallplatte auf den neuen Tenderboden gesetzt und die Drehgestelle werden wieder angeschraubt. Das Schleiferkabel wird duch die vorgesehene Öffnung gefädelt. Die Lötfahne des alten Tenderbodens habe ich nicht mehr verwendet, da ich die elektrischen Verbindungen zunächst etwas rustikal mit Lötösenleisten realisiert habe. Eleganter geht das mit einem Stück kupferkaschierter Experimentierplatine (möglicht mit Kupferstreifen). Einer der beiden Lampensockel (Pos. 7) wird in die vorgesehene Aufnahme gesteckt und eine der Glühlampen (Pos. 8) eingesetzt.

Für die Tenderbeleuchtung werden die drei Blindlampen am Tendergehäuse vorsichtig aufgebohrt, daß nur noch ein schmaler Ring verbleibt. Für eine gute Zentrierung sollte dies in Stufen geschehen! Der Lichtkörper ist in drei Einzelteile zu zerschneiden und in die gebohrten Löcher zu stecken. (Wichtig: Ich weise darauf hin, dass ich drei kurze Stücken Lichtleit-“Draht“ verwendet habe, diesen Teil also selbst nicht erprobt habe).

Am Tendergehäuse wird unterhalb des Kohlekastens der andere Lampensockel (Pos. 7) so eingeklebt, daß die Glühlampe in die Zugführerkabine reicht. Am besten geht dies mit einer Heißklebepistole. Die Glühlampe ist vorsichtig nach oben zu biegen (Vorsicht: Bruchgefahr!), damit sie von der Seite gesehen nicht allzusehr auffällt.

Anschließend folgt der aufwendigste Teil des Tenderumbaus: Die Verdrahtung. Für die Verteilung der einzelnen Potentiale habe ich hinter dem Decoder (aus Pos. 11), der wie der Umschalter (bei Lok #3084) bzw. Decoder c80 (bei Lok #3684) hochkant eingebaut wird, insgesamt vier Lötösenleisten angeordnet:

  • Schleiferpotential (rot)
  • Massepotential (braun)
  • Lichtmasse (orange)
  • Funktion „f2“ (braun-grün)

Letzteres Potential habe ich noch einmal unterbrochen, um das Tendergehäuse bei Bedarf leichter trennen zu können.

Beim Basismodell #3684 empfehle ich, die Decoderhalterung des c80 weiter zu verwenden, da auch der Decoder 60901 dort hineinpaßt.

Der Decoder ist wie allgemein üblich zu verdrahten. Die Motorvordrosseln müssen, wie bereits beim Umbau der Lok erwähnt, im Tender untergebracht werden. Die Funktion „f1“ (braun-rot) ist für den Rauchsatz, die Funktion „f2“ (braun-grün) für die Kabinenbeleuchtung vorgesehen. Alle Lichtfunktionen sind am orangenen Rückleiter anzuschließen, damit alle Lampen auch flackerfrei leuchten.

Die Leitungen zur Kabinenbeleuchtung sind ausreichend zu bemessen, um das Tendergehäuse bequem aufsetzen zu können.

Die Metallplatte im Tender muß außerdem noch mit dem Massepotential verbunden werden, damit auch die Tenderräder zur Masserückleitung beitragen können.

Das hintere Tendergewicht kann wegen der Beleuchtung nicht mehr eingesetzt werden. Es empfiehlt sich, einen entsprechenden Ersatz im hinteren Bereich des Tendergehäuses einzukleben, da der Tender sonst zu leicht ist und insbesondere bei rückwärtigem Schieben eines Zuges häufiger entgleist.

Beim Aufsetzen des Tendergehäuses ist darauf zu achten, daß die Kabel zur Kabinenbeleuchtung nicht eingeklemmt werden.

Die hintere Drehgestellblende kann leicht gegen die neue (Pos. 14) ausgetauscht werden – ein einfaches Einklipsen in das Metallteil genügt. Beim Ersatz der vorderen (Pos. 13) muss noch das Kabel von der Schleiferkontaktplatte umgelötet werden. Der alte Schleifer kann nicht mehr Verwendung finden, da die neue Drehgestellblende eine Klipsbefestigung aufweist. Er wird durch den passenden neuen (Pos. 15) ersetzt.

Bild 3: Innenansicht des fertigen Tenders

Zusammenfassung

Nachdem Lok und Tender wieder zusammengebaut sind, steht einer abschließenden Probefahrt nichts mehr im Wege. Die Lok gewinnt durch die Umbauten deutlich an betrieblichen Wert und der H0-Zugführer muß seine Arbeit bei Nacht nicht mehr im Dunkeln verrichten. Auch nach Erscheinen der in vielen Teilen neu entwickelten Lokomotive muß die alte den Vergleich nicht scheuen. Wer noch keine BR 50 Kab zu seinem Fuhrpark zählen kann, dem empfehle ich jedoch den Kauf der neuen, da auch eine gebrauchte #3084 / #3684 mit allen benötigten Ersatzteilen auch nicht sonderlich preiswerter sein dürfte.

Aktualisierung

Da diese Bauanleitung ursprünglich aus dem Jahr 2000 stammt, habe ich noch das Hochleistungsantriebsset #60901 verwendet. Dieses Set ist technisch überholt und daher nicht mehr erhältlich. Es sollte durch den Nachfolger #60921 mit mfx-Decoder ersetzt werden. Alternativ können auch die Motorteile des #60901/#60921 einzeln beschafft werden und ein beliebiger Digitaldecoder für Gleichstrommotoren verwendet werden. Dies kann auch ein Decoder mit Sound sein.

Zum Schluß einen Hinweis in eigener Sache:

Der vorgestellte Umbauvorschlag stellt die von mir gewählte Vorgehensweise dar. Ich weise darauf hin, dass ich für Schäden, die durch Nachbauten entstehen, keine Haftung übernehmen werde. Irrtümer sind außerdem vorbehalten.

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