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Die fahrtechnische Perfektion

Umrüstung der BR 56.20-29, 30 von Fleischmann mit Faulhaber-Motor und Digitaldecoder DGF756 von Uhlenbrock

Die Fa. Fleischmann hat seit mehreren Jahren das in ihrer Klasse nahezu konkurrenzlose Modell der Baureihe 56.20-29, 30 (ehem. preuß. G82) im Programm. Unter der Katalognummer #1157 gibt (bzw. gab) es die Lokomotive als Ausführung der Deutschen Bundesbahn in der Epoche III für das Märklin-Wechselstromsystem.

Ausgangssituation – die vorhandene Lokomotive

Optisch kann diese Lok – wie die meisten Fleischmann-Dampflokomotiven – voll und ganz überzeugen. Vom Händler noch vor dem Kauf im Juli 1994 mit einem Märklin-c81-Decoder ausgestattet (zu diesem Zeitpunkt die einzige Umrüstmöglichkeit), war ich hingegen mit den Fahreigenschaften noch nie zufrieden.

Im Zuge der Umbauten vom #6090 auf den mit mehr Sonderfunktionen ausgestatteten #60902 hatte ich einige 6090-Elektroniken zur Verfügung und die Lok zwischenzeitlich damit ausgerüstet. Leider harmonierte der Motor nun überhaupt nicht so recht mit dem Decoder, sowohl die Lastregelung als auch die Zugkraft waren alles andere als berauschend. Die ganze Lok erschien mir saft- und kraftlos. Außerdem führten auch nur geringe Probleme in der Stromabnahme zu einen sofortigen Stehenbleiben der Lok. Der Auslauf bei Stromunterbrechung (z. B. für Signalhalteabschnitte) war praktisch gleich null. Bei einem Halt aus voller Fahrt drohten die angehängten Wagen sogar zu entgleisen.

Ursache – das veraltete Antriebskonzept

Die Ursachen sind in dem veralteten Antriebskonzept ohne Schwungmasse, aber sicher auch in der Charakteristik des Motors selbst zu suchen: Ein längsliegender Fleischmann-Rundmotor mit zwei Wellenenden treibt über zwei Schnecken mit jeweils zwei weiteren Getriebestufen die beiden außenliegenden Achsen des dreiachsigen Tenders an. Alle vier (!) angetriebenen Räder sind zur Erhöhung der Zugkraft mit Haftreifen belegt. Das übelste Manko bei dem ganzen Antrieb ist die fehlende Schwungmasse, die zum Ausgleich von Stromabnahmeproblemen und für einen Auslauf absolut notwendig ist.

Eine Nachrüstung mit einer Schwungmasse unter Beibehaltung des vorhandenen Motors ist aus Platzgründen nicht möglich. Dieser Umstand ist aus meiner Sicht auch der Grund dafür, dass die Fa. Fleischmann bei der neukonstruierten, mit einem sehr ähnlich ausgestatteten Lok der BR 55.25-56 (ehem. pr. G8.1) (Katalognummern DC/AC-Versionen: #4155 / #1155) wieder den „alten“, bewährten Quermotor mit Stirnradgetriebe verwendet hat. Zur Verbesserung der Auslaufeigenschaften ist der Rotor dabei auch mit Zusatzmassen ausgestattet worden.

Abhilfe – der Umbausatz mit Faulhaber-Motor

Die Fa. sb-Modellbau, Olching bietet unter der Katalognummer #14034 einen Umrüstsatz mit Glockenankermotor der Fa. Faulhaber an, welcher mit einer Schwungscheibe und einem angeklebten Messingpaßstück ausgestattet ist und damit in den gleichen Einbauraum wie der alte Motor hineinpaßt.

Lediglich am hinteren Getriebeblock ist für die elektrischen Anschlüsse des Motors eine Aussparung hineinzusägen – ein Umbau, der auch am vielzitierten „Küchentisch“ durchführbar ist. Vorzugsweise sollte hierzu der Getriebeblock aus dem übrigen Tenderteilen herausgelöst werden. Da die Zahnräder nicht so ohne weiteres herauszunehmen sind, sollten sie beim Sägen abgedeckt werden. Die Späne, die doch noch in den Getriebeblock fallen, müssen unbedingt entfernt werden. Hierzu eignen sich ganz hervorragend Wattestäbchen. Danach muß das Getriebe wieder neu geölt werden.

Der Motor muß danach – wie in der Anleitung zum Umbausatz beschrieben – nur noch mit seinem Paßstück voran in die vorhandene Rundung im Getriebeblock eingeklebt (Zweikomponenten-Kleber) und elektrisch angeschlossen werden (Polung beachten!) – fertig.

Welcher Decoder?

Damit konnte die Lok wieder in Betrieb genommen werden. Bei den ersten Testfahrten mit dem noch in der Lok eingebauten c90-Decoder stellte ich jedoch fest, dass das Ergebnis den Erwartungen überhaupt nicht entsprechen konnte. Neben dem für einen Faulhaberantrieb inakzeptablen hohen Geräuschpegel (dies liegt an der Ansteuerung durch den Decoder) waren die übrigen Fahreigenschaften – bis auf Auslauf und gleichmäßigere Fahrweise, hierbei machte sich die Schwungmasse doch schon positiv bemerkbar – jedoch nicht besser. Sowohl Regelung als auch Zugkraft blieben schlecht. Die Langzeitstabilität dieser Konstellation ist ebenfalls ungewiss.

Also konnte der Decoder c90 nicht in der Lok verbleiben. Die Fa. Uhlenbrock lieferte bekanntlich den speziell für Glockenankermotoren konstruierten Decoder mit Lastregelung vom Typ „DGF756“ (später unter der Katalognummer #75530 angeboten).

Nach dem Decodertausch gegen den genannten Typ habe ich nun endlich die Fahreigenschaften erreicht, die der Lok aufgrund ihrer hervorragenden Optik zustehen. Die bei der Umrüstung auf den c90 eingebauten Drosseln habe ich in dem Motorstromkreis belassen – schaden können sie nicht.

Fazit
  • Die Regelung funktioniert. Die Geschwindigkeitstoleranz liegt unter ±5 %, das fällt praktisch kaum auf. (Verglichen zwischen Fahrt in der Ebene und Wendel aufwärts und Wendel abwärts mit einem typischen Nahgüterzug aus sieben vierachsigen Kesselwagen und dem Meßwagen)

  • Die Lok läuft seidenweich an und besitzt einen ausreichenden Auslauf (sb-Modellbau bietet sogar noch eine Zusatzschwungmasse an, dann ist der Umbau jedoch komplizierter)

  • Der Antrieb ist extrem leise und wird vom Skischleifer deutlich übertönt.
Ausblick:

In diesem Zusammenhang ist es interessant, den Decoder vom Typ „DGF756“ in Verbindung mit anderen Lokomotiven zu testen, in denen zwar ein Glockenankermotor eingebaut ist, die aber entweder keinen geregelten Decoder enthalten („wü. C“ von Märklin in den Varianten #33…, #34…, #35… und #36… sowie die Delta-Version der BR 55.25-56, #34550) oder keine „echte“ Lastregelung besitzen („wü. C“ von Märklin in den Versionen #37… und die Digitalversion der Lok BR 5525-56, #37550).

Aktualisierung:

Da diese Umbaubeschreibung aus dem Jahr 1999 stammt, ist die Ausrüstung mit einem Digitaldecoder DGF756 (75530) der Fa. Uhlenbrock nicht mehr zeitgemäß. Daher wird die Lok demnächst einen LokPilot mfx der Fa. ESU bekommen.