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Nachdem ich im Oktober 2006 mit dem Bau der Anlage 7 beginnen konnte, stellte sich mir auch die Frage nach dem zu verwendenden Digitalsystem.

Mit dem Märklin-Digitalsystem mit Control Unit #6021 und den weiteren Komponenten war ich an sich zufrieden, da es schon bei der vorherigen Anlage 6 seine Zuverlässigkeit bewiesen hatte. Nur der Adressbereich von maximal 80 Lokomotiven stellte mich durch die stetig anwachsende Triebfahrzeugsammlung so langsam vor ernsthafte Probleme.

Hinzu kam, dass Märklin mit dem neuen “mfx”-Digitalformat die Anzahl der Decoderfunktionen, insbesondere bei Fahrzeugen mit Sound, deutlich erhöht hatte. Diese Fahrzeuge sind zwar auch mit der Control Unit steuerbar, da sie auch das Märklin-Motorola-Format verstehen, aber die Fahreigenschaften sind nicht vergleichbar mit dem Betrieb unter “mfx”.

Durch den während meiner Schachtelbahnerzeit getätigten Kauf einer Startpackung (#29820), bei der mich hauptsächlich die Fahrzeuge – BR 50 und V160 sowie die Wagen als Epoche-III-Ausführung – interessierten, kam ich auch mit der Neuerung “mfx” in Berührung, da auch eine Mobile Station als Steuergerät enthalten war.

Nachdem ich die Gleisanlage der Startpackung mal so als Laminatbahn aufgebaut und einige Probefahrten mit den enthaltenen Fahrzeugen unternommen hatte, war ich sofort begeistert. Die Soundprojekte waren deutlich besser als das, was Märklin bisher in die Loks als Sound eingebaut hatte. Insbesondere das realistische Bremsenquietschen hatte es mir angetan.

Die Entscheidung für ein bestimmtes System stand zu diesem Zeitpunkt noch nicht an. Erst mit Baubeginn der neuen Anlage 7 drängte diese Frage sich wieder in den Vordergrund, da ich z. B. Rückmeldeabschnitte schon entsprechend planen musste.

Es stand für mich fest, dass die Anlage später mit einem PC gesteuert werden sollte. Die ersten Fahr- und Schaltversuche habe ich mit der über ein bekanntes Online-Auktionshaus zum Spottpreis erworbenen Märklin-Software “Steuern & Schalten” #60512 (ein OEM-Ableger der Software “WinDigital”) unternommen, welche die Kombination aus Control Unit 6021 und Interface 6050 angesteuert hat.

Dennoch war das keine Lösung. Daher kristallisierten sich so langsam die Anforderungen an eine neue Zentrale heraus:

  • kompatibel mit den Märklin-Altfahrzeugen (Märklin-Motorola-Formate 1 & 2)
  • kompatibel mit den Märklin-Neufahrzeugen (mfx)
  • kompatibel mit vorhandenen Magnetartikel-/Schaltdecodern (k83/K84 und gleichwertige im MM-Format)
  • steuerbar über PC mit einem zeitgemäßen Interface

Keine der zu dem Zeitpunkt des Baubeginns meiner Anlage 7 im Oktober 2006 erhältlichen Zentralen konnte alle Punkte zu meiner Zufriedenheit erfüllen.

Die Intellibox von Uhlenbrock erfüllte zwar die ersten drei Punkte, aber war schon ziemlich in die Jahre gekommen, was insbesondere auch das PC-Interface (serielle Schnittstelle RS232C) angeht. Die Reset-Probleme bei der PC-Steuerung führten außerdem zur Abwertung.

Das System EasyControl von Tams drängte sich als eine recht preiswerte Alternative auf, die auch alle vier Punkte erfüllte. Jedoch hat die Zentrale von Hause aus nur einen Steuerknopf und keinen eingebauten Booster, so dass diese als Zusatzkosten zu berücksichtigen sind. Als Schnittstelle zum PC ist ein zeitgemäßer USB-Anschluss vorhanden, welcher aber aufgrund des benötigen Treiber nicht bei jeder PC-Konfiguration problemlos funktionieren muss. Dennoch hatte ich das System in die engere Wahl genommen, weil auch eine Unterstützung durch einschlägige PC-Steuerungsprogramme gegeben war (und noch ist). Das von Märklin-Lokomotiven nicht unterstützte DCC-Format war allerdings kein Kriterium für mich.

Blieben noch zwei sehr ähnliche Zentralen mit einem völlig neuartigen Bedienkonzept über Touchscreen, welche entwicklungstechnisch auch aus dem gleichen Hause stammten, der Fa. ESU.

Die Central Station 60212 von Märklin als große Schwester der Mobile Station erfüllte die ersten drei Punkte mit Bravour, zumal sie auch als einzige Zentrale war, die das neue Format “mfx” voll unterstützen konnte. Eine zeitgemäße, sogar genormte Schnittstelle zum PC ist mit dem IP-Anschluss vorhanden, jedoch wurde die Central Station damals noch von keinem PC-Steuerungsprogramm unterstützt.

Der ESU eigene Ableger, die ESU Command Station (kurz ECoS) unterschied sich von dem für Märklin entwickelten OEM-Produkt durch die motorischen Regler und die Joysticks. Außerdem kann sie kein “mfx”, dafür das von Märklin-Lokomotiven nicht unterstützte DCC-Format. Auch hier sind daher die ersten drei Punkte erfüllt, der zweite jedoch mit Abstrichen. Wie die Central Station besitzt die ECoS auch eine IP-Schnittstelle. Zum damaligen Zeitpunkt war die Unterstützung durch PC-Programme auch nicht gegeben, aber zumindest in Aussicht gestellt.

Die Entscheidung musste also erst einmal auf Eis gelegt werden, da ich erst die Entwicklung abwarten wollte und meine Anlage 7 erst einmal wachsen sollte.

Gegen Anfang des Jahres 2007 wurden die ersten Gerüchte laut, dass es für die Central Station ein Hard- und Software-Update geben sollte und außerdem die Steuerung und Updates vom PC über die IP-Schnittstelle möglich werden sollte.

Nachdem dies auch durch Märklin offiziell bestätigt wurde, wurden die Karten neu gemischt. Die Entscheidung fiel letztendlich doch zugunsten der Central Station von Märklin, welche ich mir dann im Januar 2007 zu einem relativ günstigen Preis über ein weltbekanntes Online-Auktionshaus kaufen konnte. Dass sie aus einer gefledderten Startpackung stammte und keinen Original-Karton aufwies, konnte ich verschmerzen.

Die folgenden Beweggründe haben meine Entscheidung beeinflusst:

  • Uneingeschränkte Unterstützung der mfx-Lokomotiven
    Dies ist für mich an sich der wichtigste Aspekt, da der größte Teil meiner Triebfahrzeug-Neuerwerbungen noch immer aus dem Hause Märklin stammt.
  • Bestes Preis-Leistungsverhältnis aller Zentralen im Feld
    Rechnet man alles zusammen, was in der Central Station enthalten ist, können die anderen nicht mehr mithalten. Die ECoS hat zwar annähernd den gleichen Funktionsumfang, wäre aber deutlich teurer gewesen, da hier der Startpackungs-Rabatt nicht zum Tragen gekommen wäre.
  • Zeitgemäße, standardisierte Schnittstelle zum PC
    Der IP-Anschluss ist genormt und an jedem PC mit IP-Anschluss ohne jeglichen Treiber uneingeschränkt nutzbar. Die Aussicht, die Central Station in das heimische Netzwerk einzubinden und nicht (wie z. B. bei USB) an einen lokalen PC gebunden zu sein, hatte einen zusätzlichen Charme.
  • Aussicht auf Unterstützung durch einschlägige PC-Steuerungsprogramme
    Für die ECoS war diese Unterstützung schon in Aussicht gestellt. Da die Central Station auf der gleichen Plattform basiert, war es für mich nur eine Frage der Zeit, dass das Protokoll nach dem Update ebenfalls freigegeben werden dürfte.

Die bei dem Kauf meiner Central Station vorhandene Software-Version 1.6 war grundsätzlich schon brauchbar, leider aber etwas fehlerbehaftet, so dass die Central Station öfter einmal abstürzte und nur durch Aus- und Einschalten wieder einzufangen war. Für meinen Testbetrieb und die Programmierung von mfx-Loks reichte dies aber erst einmal aus.

Nachdem das Update gegen Mitte des Jahres verfügbar war, ging meine Central Station umgehend nach Göppingen und kam ca. nach 6 Wochen wieder in einwandfreiem Zustand zurück.

Die Softwareversion hatte sich dann auf 2.0.3 erhöht und neben der wesentlich erhöhten Stabilität der Software (kaum noch Abstürze) war dann auch eine Hardwareerweiterung mit einem Sniffereingang für den Anschluss von vorhandenen Digitalzentralen (z. B. Control Unit 6021), einem Anschluss für die Booster 6015/6017 und einem Anschluss für die Rückmeldemodule s88 (6088 bzw. 60880) eingebaut worden.

Für einige weitere Verbesserungen und Fehlerbeseitigung wurde im Januar 2008 noch ein weiteres kleines Software-Update auf 2.0.4 nachgeschoben, der letzte und noch immer aktuelle Softwarestand der Central Station.

Diese Konstellation reichte mir für Probefahrten während des weiteren Aufbaus der Anlage 7 völlig aus, aber für den späteren Betrieb hätte ich dann auch eine leistungsmäßige Verstärkung in Form von Boostern gebraucht. Hierfür war nach der ursprünglichen Systems-Architektur der mfx-rückmeldefähige Booster 60172 vorgesehen, welcher aber seit der Ankündigung im Jahr 2005 nie erschienen ist. Mit dem Hardwareupdate war zwar eine Weiterverwendung der Booster 6015/6017 gegeben, jedoch sind diese Booster nicht in der Lage, das von den mfx-Lokdecodern gesendete Rückmeldesignal an die Central Station durchzuleiten.

Zwischenzeitlich hatte ESU für die ECoS einen passenden Booster ”ECoSBoost” auf den Markt gebracht, welcher auch an der CS1 betrieben werden kann und welcher auch die mfx-Rückmeldung unterstützt. Auch hierfür war das oben schon erwähnte Update auf Softwareversion 2.0.4 erforderlich.

Interessant in diesem Zusammenhang war, dass Märklin für den Betrieb der Central Station mit Boostern auch auf den ECoSBoost verwies, da es keinen mfx-rückmeldefähigen Booster aus eigenem Hause gab - was an sich gegen die bisher übliche Philosophie von Märklin sprach, den einwandfreien Betrieb nur bei Verwendung der eigenen Komponenten zu garantieren.

Außerdem wurde hinsichtlich der Weiterentwicklung der Digitalkomponenten seitens Märklin eine “Denkpause” von zwei Jahren angekündigt, so dass die Spekulationen um den Booster 60712 in einschlägigen Foren nicht abrissen und letztendlich zur Bezeichnung “Godot”-Booster geführt haben (frei nach dem absurden Theaterstück “Warten auf Godot” von Samuel Beckett).

Dies änderte sich im August 2008, als Gerüchte um eine neue Märklin-Digitalzentrale aufkamen und auch der Verweis auf ein Designpreis veröffentlicht wurde. Im September 2008 wurde von Märklin auch bestätigt, dass die neue Central Station 60213 nebst neuem Booster 60173 noch im Oktober 2008 lieferbar sein würde.

Dieser Donnerschlag der in aller Heimlichkeit entwickelten Zentrale stellte auch mich vor eine neue Situation…