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Digital

Obwohl Märklin das Digitalsystem im Motorola-Format schon 1984 auf den Markt gebracht hatte, war ich anfangs sehr skeptisch, wozu dieser “neumodische Kram” gut sein soll. “Analog funktioniert doch auch sehr gut und wenn etwas kaputt geht, kann ich selbst nichts reparieren” – so war meine Einstellung dazu.

Nach einem längeren Gespräch bei meinem Händler, der mir – sicher nicht ganz uneigennützig - die Vorzüge des digitalen Fahrens schmackhaft machen wollte, bekam ich den Tip, für die weitere Information die Lektüre der Artikelserie zu Märklin Digital im Märklin Magazin zu lesen. Dies war im Jahre 1991.

Nachdem ich dann die Artikelserie intensiv studiert hatte, war mir klar, was zu tun war.

Nach dem nächsten Besuch beim Händler war ich rund 1.000 DM ärmer und fuhr voller Erwartung mit der digitalen Erstausstattung unter dem Arm nach Hause, die aus einer Central Unit (6020), einem Control 80f (6036), einer Digitallok der BR 212 (3672) und einigen Digitaldecodern c80 (6080) zum Selbsteinbau bestand.

Die antriebsbedingten Nachteile des Reihenschlussmotors änderten sich auch nicht unbedingt, aber die Loks waren unabhängig voneinander steuerbar – ein Riesenfortschritt. Der Einbau der Digitaldecoder war nach den Schaltbildern, die ich vom Händler bekommen hatte, auch fast ein Kinderspiel.

Da ich außerdem gerade den Entschluss gefasst hatte, meinen Anlagenbau vom (zu feuchten) Keller in die Wohnung zu verlagern – dies markierte auch den Baubeginn meiner Anlage 6 -, kam kurze Zeit später auch noch das digitale Schalten in Form von einigen Magnetartikeldecodern k83 (6083) hinzu, da ich vorhatte, mein zweites Hobby – den Computer, damals noch der Commodore AMIGA – in die Modellbahn zu integrieren und die Anlage damit zu steuern. Also musste auch noch ein Interface (6050) her.

Inzwischen hatte Märklin den digitalen Hochleistungsantrieb mit Lastregelung c90 (6090) auf den Markt gebracht. Auch von diesem Set hatte ich fast eins der ersten bei meinem Händler verfügbaren erworben und getestet. Die Eigenschaften dieses Antriebs räumten auch noch meine letzten Zweifel am Dreischienen-Zweileiter-System aus, da die nicht ausreichenden Langsamfahreigenschaften endgültig der Geschichte angehörten. Hinzu kam, dass die Höchstgeschwindigkeit sowie die Anfahr- und Bremsverzögerung über Potentiometer auf dem Decoder einstellbar waren. Damit ließ sich fast bei jeder mit diesem Set ausgestatteten Lok die Höchstgeschwindigkeit auf ein vorbildgerechtes Maß begrenzen.

Aber auch für Fahrzeuge anderer Hersteller tat sich etwas entscheidendes:

Von Märklin gab es zwar den Decoder c81 (6081) für Gleichstrommotoren, aber dieser war aufgrund der Größe nicht oder nur sehr schwer in die meisten Triebfahrzeuge einzubauen. Der für die (zumeist elektronischen) analogen Fahrtrichtungsumschalter verwendete Platz war in den wenigsten Fällen ausreichend, um den c81 ohne Änderung am Fahrzeuginneren unterzubringen.

Hier sprang der mir bis dahin unbekannte Hersteller Uhlenbrock in die Bresche, welcher mit seinen viel kleineren von außen einstellbaren Decodern DGL750 (für Gleichstrommotoren) und DAL770 (für Wechselstrommotoren) nahezu alle Triebfahrzeuge auf das Digitalsystem umrüstbar machte. Diese Decoder waren zunächst ohne Lastregelung, später kamen dann noch die geregelten Varianten DGR755 (für Gleichstrommotoren) und DGF756 (für Glockenankermotoren) hinzu. Letzterer war meines Wissens der erste Decoder für Glockenankermotoren überhaupt.

Aber auch Märklin war nicht untätig:

Die Erweiterung auf das Motorola-Format 2 erlaubte nun neben der fahrtrichtungsabhängigen Lichtfunktion bis zu vier weitere Sonderfunktionen. Endlich waren auch die Telexkupplung, Rauchsätze usw. getrennt schaltbar und erlaubte auch erstmals Modelle mit Soundfunktionen.

Das führte aber auch zu einer neuen Zentrale, der Control Unit (6021), die bald auch bei mir Einzug hielt, da ich schon einige neue Triebfahrzeuge der neuen Generation besaß.

Weiterhin kam dann auch noch die nächste Motor-Generation auf den Markt, der C-Sinus-Antrieb. Als einer der glücklichen Gewinner der unter den interessierten Märklin-Insidern verlosten Kaufoptionen für den ICE-Sinus (passender konnte der Name gar nicht sein!) konnte ich diesen Antrieb recht früh testen und war sofort überzeugt.

So langsam stieß ich allerdings an die systembedingte Grenze des Märklin-Digitalsystems mit seinen maximal 80 Lokadressen.

Mittlerweile gab es dann auch die erste Multiprotokollzentrale, die Intellibox von Uhlenbrock. Überlegt hatte ich deren Anschaffung zwischenzeitlich, aber zugunsten des weiteren Anlagenbaus zurückgestellt. Eine gute Entscheidung, wie sich später herausstellen sollte.

Andererseits tat sich eine neue Firma auf, die mit interessanten Digitalprodukten auf den Markt kam: Electronic Solutions Ulm (ESU). Mit dem Decoder LokPilot (1.0) war auch bei Märklin-Lokomotiven mit Scheibenkollektormotor die digitale Lastnachregelung relativ preiswert nachrüstbar. Es genügte, die Feldspule durch einen HAMO-Magneten zu ersetzen. Trotz dreipoligen Anker waren damit hervorragende Fahreigenschaften zu erreichen.

Nach dem umzugsbedingten Abriss meiner Anlage 6 war ich einige Jahre zum “Schachtelbahner” degradiert.  Dadurch habe ich die Entwicklung auf dem Digitalsektor nicht weiter verfolgt.